Gehört Homöopathie in den Stall?

Die Landwirtschaft hat hierzulande eine grosse Bedeutung. Sie hat einerseits eine sehr lange Tradition – und sie ist nach wie vor einer der wichtigsten Wirtschaftszweige. Erfolgreiches Wirtschaften gelingt aber nur mit gesunden, widerstandsfähigen Tieren. Die Krankheitsprophylaxe ist darum ein wichtiges Thema in hiesigen Ställen. Die artgerechte Haltung der Tiere, eine bedarfsgerechte Fütterung und ein gutes Stallklima  sind wichtige Faktoren, damit es den Tieren gut geht und sie die von ihnen erwartete Leistung erbringen können. Obwohl sich in den letzten Jahren gerade bezüglich artgerechter Haltung vieles verbessert hat, kann es im Stall immer wieder zu Krankheitsfällen kommen. Eine Behandlung ist unumgänglich. In diesem Zusammenhang hat die Homöopathie in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Denn allgegenwärtige Themen wie Antibiotikaresistenzen machen auch vor den Emmentaler Ställen nicht halt!


Was ist Homöopathie?


Begründer der Homöopathie ist der Arzt Samuel Hahnemann, der ab 1796 seine Vorstellungen über das Heilen öffentlich machte. Sein Grundsatz: Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden.
Die Homöopathie verwendet Stoffe aus dem Pflanzen- und Tierreich, Mineralien und aus Krankheitsprodukten. Durch ein spezielles Herstellungsverfahren (wiederholtes Verdünnen und Schütteln)  erfahren diese Ausgangsstoffe je nach Ursprungssubstanz eine ganz spezifische Wirkung auf den menschlichen und tierischen Organismus. Heute gibt es über 2000 verschiedene homöopathische Arzneimittel. Die Hauptschwierigkeit einer homöopathischen Behandlung besteht im Auffinden der Krankheitszeichen (Symptome) am Patienten und in der Zuordnung der entsprechenden Arznei zu diesem Krankheitsbild. Es gilt, alle Symptome die seit Krankheitsbeginn neu aufgetreten sind, minutiös zu erfassen. Dabei spielen nicht nur die eigentlichen Krankheitssymptome (z.B. Ohrenschmerzen) eine Rolle, sondern der Homöopath fragt auch nach Verhaltensänderungen (z.B. Unruhe, Angst, Durst, Abneigung gegen Berührung etc.) und nach Umständen, welche die Krankheitssymptome verschlimmern oder verbessern. Aufgrund einer solchen Fallaufnahme sollte der Homöopath genügend Symptome erfassen, welche es ihm erlauben, ein zum Patienten passendes Arzneimittel zu finden.

 

Warum Homöopathie im Stall?


Grundsätzlich können alle Krankheiten (akute, chronische) mit Homöopathie geheilt werden. Da das Auffinden des richtigen  Arzneimittels manchmal Schwierigkeiten bereitet, sind nicht alle Fälle homöopathisch therapierbar. Auf Antibiotika und andere schulmedizinische Medikamente kann deshalb in der heutigen Tierhaltung kaum ganz verzichtet werden. Zurzeit laufende Forschungsarbeiten in Tierhaltungen versuchen zu zeigen, dass dank Homöopathie der Antibiotikaeinsatz reduziert werden kann. Dies wäre ein äusserst wünschenswertes Ziel, denn die Zunahme von antibiotikaresistenten Krankheitserregern bereitet den Humanmedizinern und in letzter Zeit auch den Tierärzten zunehmend Kopfzerbrechen.

Wie sinnvoll ist die Selbstbehandlung durch Tierbesitzer?

Die Homöopathie ist eine Heilmethode, die auf gut abgestützten Prinzipien beruht und daher ein gewisses Verständnis über Krankheit, Symptome und Krankheitsursachen voraussetzt. Wie in der Vergangenheit hier dargelegt, sind für die Arzneimittelwahl immer die Krankheitszeichen des Patienten wegweisend. Daher soll nun der Frage nachgegangen werden, wie weit Tierbesitzer ihre Tiere selbst homöopathisch behandeln können.

Die Homöopathie kann sowohl bei akuten als auch bei chronischen Krankheiten erfolgreich eingesetzt werden. Die Behandlung chronischer Krankheiten braucht viel Wissen und Erfahrung und gehört deshalb in die Hände eines erfahrenen Homöopathen. Dagegen können einfachere, akute Erkrankungen wie z. B. Fieber bei erhaltener Fresslust, einfache Verletzungen, einfache Durchfälle ohne Schwäche, Vorbeugebehandlungen rund um die Geburt, gewisse Euterentzündungen und Klauenkrankheiten vom Tierhalter eigenverantwortlich behandelt werden.


Damit Tiere erfolgreich homöopathisch behandelt werden können, müssen die Prinzipien der Homöopathie bekannt sein. Die Anwendung homöopathischer Mittel nach Rezeptbuch ist ein Widerspruch zu den Grundregeln der Homöopathie und führt auf die Dauer mehr zu Misserfolg als zu Erfolg! In den letzten Jahren sind mehrere wertvolle Lehrbücher für Laien erschienen, welche Tierhalter bei der Behandlung «einfacher Krankheiten» im Stall unterstützen.

 

Einführungskurse


Für Tierbesitzer, welche regelmässig ihre Tiere homöopathisch behandeln möchten, empfiehlt sich deshalb der Besuch eines Einführungskurses in die Homöopathie. In diesen Kursen vermitteln erfahrene Homöopathen (meist Tierärzte/Tierärztinnen) nicht nur die Grundlagen der Homöopathie, sondern sie lehren auch, wie die Symptome am Tier beobachtet werden und wie das richtige Arzneimittel für den zu behandelnden Patienten gefunden wird. Seriöse Kurse zeigen den Kursteilnehmern die Grenzen der homöopathischen Selbstbehandlung deutlich auf und geben Beurteilungskriterien, ab wann der Bestandestierarzt zu rufen ist. Gewisse Krankheiten (z. B. Neugeborenendurchfälle, akute Euterentzündungen) können nämlich sehr schnell lebensbedrohlich werden, wenn dem Tier nicht rechtzeitig die richtige Behandlung zukommt.

 

Kein Tierarztersatz!


Eigene Erfahrungen zeigen, dass Landwirte, die an solchen Kursen teilgenommen haben, in der Lage sind, einfache Krankheiten ihrer Tiere erfolgreich zu behandeln, und auch die Grenzen der Selbstbehandlung kennen. Antibiotika werden in diesen Betrieben dank Homöopathie seltener eingesetzt, was wegen der Problematik einer drohenden Antibiotikaresistenz positiv zu werten ist. Der Besuch eines solchen Kurses kann aber den Bestandestierarzt niemals ersetzen!
Bevor Tiere homöopathisch behandelt werden, muss sich der Tierbesitzer immer wieder die Frage stellen, ob Krankheitsursachen im Spiel sind, die zuerst beseitigt werden müssen. So können Fütterungsfehler (Energiemangel, verdorbene Silage, Strukturmangel im Futter) oder schlechte Klimaverhältnisse im Stall gravierende Folgen für die Tiergesundheit und damit für die Wirtschaftlichkeit eines Landwirtschaftsbetriebes haben!

Die eigentliche Kernkompetenz des Landwirts betrifft die Gesunderhaltung (Prophylaxe) seiner Tiere und nicht in erster Linie die Behandlung kranker Tiere. Doch selbst bei besten Haltungsbedingungen können Krankheitsfälle im Stall auftreten. Hier kann die Homöopathie wertvolle Unterstützung bieten, sofern sie richtig und fachmännisch eingesetzt wird und die Grenzen dieser wertvollen Heilmethode beachtet werden.

 

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