Hu-hu-huuu, das ist kein Grund zum Fürchten

In Nordamerika sind es die Rufe des Waldkauzmännchens, welche nahenden Tod ankündigen sollen. Ganz eindrücklich beschrieben ist dies im wunderbaren Buch Ich hörte die Eule, sie rief meinen Namen, einem Roman von Margaret Craven, der 1967 unter dem englischen Titel I Heard the Owl Call My Name erschienen ist.
Im Emmental reden vor allem die älteren Leute von der «Wiggle», welche die Leute zum Sterben abholt. Die «Wiggle» ist das Weibchen der Waldkäuze, und in der Balzzeit ist ihr raues «Kuwitt» tatsächlich ein wenig Furcht einflössend. Dabei tun die Eulen zu dieser Zeit nichts anderes, als den idealen Partner zu suchen. Die Männchen versuchen mittels ihres wohlbekannten Heulens im Herbst und Frühwinter Weibchen anzulocken. Das Waldkauzmännchen singt, wie bereits erwähnt, dumpf heulend. Das klingt in unseren Ohren unheimlich, doch das Waldkauzweibchen kann die Qualitäten eines Männchens bereits an diesem Heulen abschätzen. Das Weibchen dagegen gibt eben ein raues «Kuwitt» von sich.

 

Jäger aus dem Flug
Waldkäuze sind sehr standorttreu, sogar die reviersuchenden Jungvögel entfernen sich in der Regel kaum 50 Kilometer von ihrem Geburtsort.
Im Laubwald oder in unseren vielseitigen Emmentaler Plenterwäldern, dem Hauptlebensraum des Waldkauzes, bilden Kleinsäuger einen Grossteil ihrer Beute. Unter den Säugetieren sind Wühlmäuse, Mäuse, Spitzmäuse, Ratten und sogar Haselmäuse ihre bevorzugte Nahrung. Die Vögel halten von einer Warte nach einer Gelegenheit Ausschau und ergreifen dann aus dem Flug, was sie erspähen. Ist die Nahrungsgrundlage schlecht, verzichten viele Paare auf eine Brut. Der Waldkauz ist die häufigste Eule Europas, da er in Bezug auf Beute und Jagdmethode sehr flexibel ist.

 

Brut im März
Die Brut findet meist in einer geräumigen Bruthöhle oder in einem Nistkasten statt. Dabei verachten die Waldkäuze auch Kunststoffkasten nicht, Hauptsache, sie sind trocken und geschützt. Auch Höhlungen in Mauern, unter Dächern, in Kirchtürmen oder Scheunen nehmen Waldkäuze als Nistplätze an. Sobald sie sich niedergelassen haben, lernen die Eulen ihr Revier und ihr Nahrungsangebot im Jahreslauf kennen.
Wenn der Winter noch nicht ganz zu Ende ist, liegen oft schon die ersten Eier in der Bruthöhle. Die Jungen verlassen mit 4 bis 5 Wochen im Daunenkleid und noch nicht flugfähig die Bruthöhle. Sie klettern dann auf den Ästen der Umgebung herum. Der Eintritt ins Erwachsenenleben ist schwer und so etwas wie ein Sprung ins kalte Wasser. Nachdem sie das Nest verlassen haben, werden sie noch liebevoll von den Eltern versorgt. Nach etwa drei Monaten müssen sie dann plötzlich selber jagen lernen. Versagen sie bei dieser Aufgabe, erwartet sie der sichere Hungertod.

 

Nachtaktiv und langlebig
Obwohl der Waldkauz in vielen Gegenden häufig ist, sieht man ihn nicht so leicht, da er hauptsächlich nachtaktiv ist und nur in der Dunkelheit jagt. Bei Tag versteckt er sich, meist in dichter Deckung in einem Baum. Der Waldkauz ist ein langlebiger Vogel, er kann im besten Fall über 27 Jahre alt werden.
Mein Mann und ich hatten die Gelegenheit, bei einer Beringung der jungen Waldkäuze dabei zu sein. Im April ist die beste Zeit, um die Jungen aus ihrer Bruthöhle zu holen. Um diese heikle Aktion zu starten, muss ein ausgebildeter Ornithologe mit viel Erfahrung ans Werk. Die Eulen verteidigen ihren Nachwuchs und die scharfen Krallen sind ihre Waffe.
Eulen sind faszinierende Vögel, und wir hatten das Glück, sie ganz nah einmal zu Gesicht zu bekommen. Es war ein wunderbares Erlebnis.


Text und Bilder: Archiv Lebenslust Emmental/ Désirée und Roland Altenburger, www.vogelportraits.ch

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